Über ein ganzes Jahr hinweg, von April 2024 bis März 2025, haben sich acht MA-Studierende unter diesem Oberthema mit verschiedenen selbstgewählten Schwerpunkten ethnografisch und analytisch beschäftigt. Im Laufe des Projekts haben wir, gemeinsam mit dem Zentrum für Audio-Visuelle Produktion (ZAP) der JGU, ein ungewöhnliches Videopodcast-Format entwickelt, das drei Arbeitsgruppen in jeweils eine Folge umgesetzt haben.
Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) ist Deutschlands einzige zentral organisierte öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt, im Gegensatz zur föderal strukturierten ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland), und sowohl ein wichtiger Arbeitgeber in der Region als auch ein symbolträchtiges Aushängeschild – nicht zuletzt durch die ‚Mainzelmännchen‘ – der Stadt Mainz. Wir haben uns dieser für eine forscherische Perspektive tatsächlich eher schwer zugänglichen Institution, die über der Stadt auf dem Lerchenberg angesiedelt ist, zunächst unter Berücksichtigung zweier zentraler aktueller Herausforderungen genähert: der ideologischen Infragestellung ihrer angestammten Struktur und Funktion, nicht zuletzt durch zunehmende rechtsnationale Strömungen in der Gesellschaft, und technologisch durch Anforderungen der Digitalisierung und neue Formate der Medienproduktion und des Medienkonsums.
Dafür wurde im ersten Semester eine Grundlage durch eine breite Befassung mit medienanthropologischen und -historischen Ansätzen sowie eine praktische Materialerhebung gelegt. Dabei zeigten sich unter den Studierenden bereits thematische Präferenzen a) für Fragen von Medienvertrauen, Nachrichtenproduktion und digitale Alternativen, b) Alltagskonsum, Kindheit und Erinnerung sowie c) repräsentative Struktur und Arbeitsbedingungen. Durch ganz unterschiedlich gestaltete Interviews mit Angehörigen verschiedener Redaktionen im ZDF selbst, mit Zuschauer:innen/Konsument:innen sowie mit Mitgliedern der Fernsehräte und von Gewerkschaften ist im Verlauf des zweiten Semesters das Bild eines vielschichtigen heutigen ‚Kosmos ZDF‘ entstanden, für das wir eine ungewöhnliche Form des Videopodcasts entwickelt haben: ein selbstreflektierendes Gespräch der drei Studierendengruppen, das audio-visuelle Sequenzen ihrer jeweiligen ethnografischen Forschung mit aufnimmt. Die drei Videopodcast-Folgen sind in sich abgeschlossen, bieten aber besonders als Serie einen neuartigen Zugang zu einem Alltagsmedium im Wandel.