S. Kulturanthropologie/Europäischen Ethnologie aus vergleichender Perspektive: Zwischen Fürsorge und Kontrolle: Kulturanthropologische Perspektiven auf Flucht, Asyl und Nationalstaat in Europa

Dozent:innen: Eva-Maria Walther
Kurzname: 05.174.24_130
Kurs-Nr.: 05.174.24_130
Kurstyp: Seminar

Voraussetzungen / Organisatorisches

Prüfungsleistungen:
• Präsenz und aktive Teilnahme an den Sitzungen
• Aufmerksames Studium der Kurslektüre, Vorbereitung einer mündlichen Zusammenfassung für eine oder zwei der Lektüren
• Hausarbeit: Auswahl eines der Seminarthemen, Zuspitzung auf eine konkrete Fragestellung und ein Land, und Abhandlung durch Kurslektüre und weitere selbst gewählte Quellen (10-12 Seiten, 8-12 Quellen)

Inhalt

Dieses Seminar bietet eine Einführung in die zentralen Themen, Fragestellungen und Begriffe der kulturanthropologischen Flucht- und Asylforschung. Der Fokus liegt dabei auf den komplexen Begegnungen zwischen Geflüchteten, staatlichen Institutionen und Gesellschaften in Europa. Internationales Recht schreibt eine Fürsorgepflicht für Geflüchtete vor, die sowohl die EU als auch die ihr angehörenden Nationalstaaten formell anerkennen und prinzipiell auch als moralisches Gebot verstehen. Gleichzeitig ist Flucht und Asyl ein Feld staatlichen und institutionellen Handels, dass intensive und dauerhafte politische Kontroversen hervorruft und sich in der Praxis häufig durch restriktive Maßnahmen, bürokratische Hürden und menschliches Leid auszeichnet.
Das Seminar verfolgt anhand von ethnographischen Studien verschiedene Kontakt- und Konfliktpunkte, an denen Geflüchteten mit staatlichen sowie nicht-staatlichen Akteuren aufeinandertreffen. Im Zentrum stehen dabei Grenzen und Flüchtlingslager als Orte der Regulierung, aber auch der Anfechtung und Unterwanderung staatlicher Kontrolle. Ebenso untersucht werden Bürokratien, die als scheinbar technokratische Ordnungssysteme agieren, sowie NGOs, deren Arbeit zwischen Hilfestellung und politischem Druck eingebettet ist. Die Teilnehmenden setzen sich mit den Bedingungen und Grenzen für Solidarität mit Geflüchteten auseinander, analysieren mediale und öffentliche Repräsentationen von Flucht und Asyl und betrachten Deportationen als ultimative Form staatlicher Machtausübung.
Ziel des Seminars ist es, für die individuelle Tragweite der Erlebnisse geflüchteter Menschen zu sensibilisieren und die vielschichtige Verflechtung von Fürsorge und Unterdrückung, Kontrolle und Empathie, Repression und Widerstand in den Blick zu nehmen, die Flucht und Migration zu einem hochpolitischen und öffentlich debattierten Thema machen.
Lernziele:
Das Seminar soll
• den geschichtlichen, rechtlichen und politischen Kontext vermitteln, um aktuelle Debatten über Asylpolitik einordnen und gängige Meinungen hinterfragen zu können
• einen Überblick über Ansätze, Konzepte und Denkschulen in der Fluchtforschung der letzten 10 Jahre sowie aktuelle Entwicklungen bieten
• dazu befähigen, Zusammenhänge zum Umgang mit Flucht und Asyl aus einer kulturanthropologischen Perspektive zu analysieren, relevante Forschungsfragen zu identifizieren und sich selbst im wissenschaftlichen Diskurs zu positionieren.

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
16.04.2026 (Donnerstag) 18:00 - 20:00 Online Einführungstermin
08.05.2026 (Freitag) 14:00 - 17:30 01 415 P102
1141 - Philosophisches Seminargebäude
09.05.2026 (Samstag) 09:30 - 13:00 01 415 P102
1141 - Philosophisches Seminargebäude
29.05.2026 (Freitag) 14:00 - 17:30 01 415 P102
1141 - Philosophisches Seminargebäude
30.05.2026 (Samstag) 09:30 - 13:00 01 415 P102
1141 - Philosophisches Seminargebäude
12.06.2026 (Freitag) 14:00 - 17:30 01 415 P102
1141 - Philosophisches Seminargebäude
13.06.2026 (Samstag) 09:30 - 13:00 01 415 P102
1141 - Philosophisches Seminargebäude
02.07.2026 (Donnerstag) 17:00 - 18:30 Online