WiSe 2016/2017

Vortragsreihe der Fachschaft Kulturanthropologie/Volkskunde - Referenten: Prof. K. Maas, Prof. Chr. Aka, Prof. W. Kaschuba

N.N.

Kurzname:
Kursnummer:

Voraussetzungen / Organisatorisches

Infos zur Fachschaft Kulturanthropologie/Volkskunde finden Sie unter http://www.iftek.uni-mainz.de/kultur/38.php

Ankündigungen am Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft finden Sie unter http://www.iftek.uni-mainz.de/21.php

Inhalt

Erster Gastvortrag
Wer?
Prof. em. Dr. Kaspar Maase
Wann?
22.11.2016 von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr c.t.
Wo?
P102, Philosophicum, JGU
Was?:
'Resistance' und 'kultureller Radikalismus'. Eine Selbstbefragung zum
Politikverständnis in den Kulturwissenschaften
Was verstehen empirisch arbeitende Kulturwissenschaftler*innen eigentlich unter
dem Politischen und wo verorten sie es mit ihren Studien? Die Suche nach
Antworten führt in die Jahre nach „1968“ zurück. Damals etablierte sich unter
kritischen Kulturwissenschaftler*innen die Vorstellung, dass nicht soziale und
ökonomische, sondern kulturelle Strukturen die Ultrastabilität der in ihren Augen
ungerechten und gewaltsamen kapitalistischen Machtverhältnisse sicherten. Als
Reaktion entwickelten die Cultural Studies das Konzept einer „mikropolitischen“
Förderung von „Resistance“. Die postmoderne Kulturforschung rückte hegemoniale
Diskurse und Subjektivierungspraktiken ins Zentrum, um Anpassungsbereitschaft
und Selbstunterwerfung zu verstehen.
Der Vortrag versucht eine Zwischenbilanz dieser Projekte eines „kulturellen
Radikalismus“ (Winfried Fluck). Er fragt, warum eigentlich das, was die meisten
Menschen unter Politik verstehen, und insbesondere, wie sie es verstehen und wie
sie im Alltag damit umgehen, im Vielnamenfach kaum eine Rolle spielt.


Zweiter Gastvortrag
Wer?
Prof. Dr. Christine Aka
Wann?
13.12.2016 von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr c.t.
Wo?
P102, Philosophicum, JGU
Was?:
Die letzten Dinge – Objektivationen und Praxen der Trauer
Die Art und Weise wie eine Gesellschaft mit den Sterbenden, den Toten und der
Erinnerung an die Toten umgeht, gilt als Brennglas zum Verstehen kultureller
Dynamiken. Da die „letzten Dinge“ zu den neuralgischen Punkten der Gesellschaft
gehören, die auf Schattenbereiche, auf ambivalentes Verhalten, auf die Suche nach
Sinn aufmerksam machen, scheinen alte und neue Formen, die parallel und auch in
Konkurrenz zu einander existieren, vielfältig interpretierbar. Eine neue Sehnsucht
nach Ritualen, nach neuen Trauerritualen, die als Handlungen in Krisen dem
Einzelnen zumindest helfen sollen, in der individuellen Auseinandersetzung mit der
Unerträglichkeit der Realität zurechtzukommen werden zudem jeweils neu
erfunden. Aus Versatzstücken bekannter Formen der Trauerbewältigung werden
sie für den individuellen „Gebrauch“, situationsabhängig und ohne Anspruch auf
etwas Allgemeines, zurechtgebastelt. Der Vortrag wird diesen letzten Dingen
sowohl historisch als auch gegenwartsbezogen nachgehen.


Dritter Gastvortrag
Wer?
Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba
Wann?
24.01.2017 von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr c.t.
Wo?
P102, Philosophicum, JGU
Was?:
"Integrationsgesellschaft?
Das Stichwort Integration hat in Deutschland eine ganz eigene Geschichte und
Bedeutung. Denn es wird bei uns im politischen Diskurs meist nur auf Migranten
und Geflüchtete angewandt. Und es formuliert für sie in der Regel einen Katalog
einseitiger Anpassungsleistungen. Vice versa entsteht damit zugleich auch immer
wieder das Bild einer angeblich homogenen deutschen Gesellschaft, die im Blick auf
gemeinsame Herkunft, Kultur und Werte nun durch die Neuen und Fremden
gefährdet erscheint. Dieses Bedrohungsszenario und die entsprechenden Hysterien
bedienen ja bevorzugt die Rechtspopulisten und die neuen Völkischen, aber
durchaus auch Teile der konservativen bürgerlichen Mitte.
Dem muss ein anderes Bild unserer Gesellschaft in Deutschland entgegengesetzt
werden - etwa in den Begriffen einer "postmigrantischen" und auf heterogenen
"Lebensstile" bezogenen sozialen Wirklichkeit. Insofern muss das Konzept
Integration also inhaltlich neu gefüllt werden und sich auf die gesamte Gesellschaft
beziehen. Statt sozialer Differenz muss nun Konvergenz in den Mittelpunkt gerückt
werden - In den Medien und in der Politik, aber gerade auch in der
wissenschaftlichen Forschung.”

Zusätzliche Informationen

Im Anschluss zu jedem Vortrag findet eine “Blaue Stunde” statt, bei der die Fachschaft
Kulturanthropologie/Volkskunde für das leibliche Wohl und alle Gäste für
interessanten Gesprächsstoff sorgen.

Veranstaltung in Kleingruppen

'Resistance' und 'kultureller Radikalismus'. Eine Selbstbefragung zum Politikverständnis
Datum (Wochentag)UhrzeitOrt
22.11.2016 (Dienstag)18.15 - 19.45 Uhr01 415 P102,
1141 - Philosophisches Seminargebäude

Integrationsgesellschaft?
Datum (Wochentag)UhrzeitOrt
24.01.2017 (Dienstag)18.15 - 19.45 Uhr01 415 P102,
1141 - Philosophisches Seminargebäude

Die letzten Dinge – Objektivationen und Praxen der Trauer
Datum (Wochentag)UhrzeitOrt
13.12.2016 (Dienstag)18.15 - 19.45 Uhr01 415 P102,
1141 - Philosophisches Seminargebäude


Semester: WiSe 2016/17